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Raus aus der Tabuzone | Anna Wilken beantwortet unsere Fragen zum Thema Kinderwunsch

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”Na, wann ist es denn bei euch soweit?” Wieso Fragen wie diese nichts im Smalltalk zu suchen haben, erklärt uns Anna Wilken in diesem ehrlichen und sehr persönlichen Interview zum Thema Kinderwunsch.

Das Thema Kinderwunsch ist besonders auf Social Media noch nicht aus der Tabuzone gerückt. So sehr wir uns mit allen frischgebackenen Eltern über die ersten super süßen Fotos als kleine Familie freuen, möchten wir jedoch genauso darauf aufmerksam machen, dass dieses Glück nicht selbstverständlich ist. Hinter jeder Schwangerschaft steckt eine Geschichte und gleich mehrere Schicksale. Gemeinsam mit der wundervollen Anna Wilken möchten wir heute über das Thema unerfüllter Kinderwunsch sprechen, und unter anderem von ihr wissen, wieso es schon lange kein Tabu mehr sein darf, öffentlich über den schweren und manchmal leider unerfüllten Weg zum Wunschkind zu sprechen.

Wann und wie kamst du das erste Mal in Berührung mit dem Thema Kinderwunsch?

Als ich mich 2017 aufgrund meiner Endometriose in der Reha befand, kam ich das erste Mal ganz bewusst mit dem Thema Kinderwunsch in Berührung. In der Reha haben mir viele Frauen ihre persönlichen Geschichten und Erfahrungen mitgegeben. Vorher habe ich mir da nie großartig Gedanken zu gemacht, da ich nicht damit gerechnet habe, betroffen zu sein. Ziemlich zeitnah nach meinem Reha-Aufenthalt bin ich dann in ein Kinderwunschzentrum gegangen, weil mir bewusst wurde, dass meine Endometriose möglicherweise ein Störfaktor beim Kinderkriegen sein kann.

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Wie war es für dich, als du dich final für die Behandlung in der Kinderwunschklinik entschieden hast?

Ich war erleichtert, denn ich habe mich ein Jahr lang dagegen gewehrt. Ab dem Moment, in dem mir gesagt wurde, ich solle doch so schnell es geht mit der Behandlung in der Kinderwunschklinik anfangen, habe ich dicht gemacht. Wollte es einfach nicht wahrhaben. Deshalb habe ich mich einfach darauf gefreut und war aufgeregt, als ich mich endlich den Tatsachen gestellt und mich überwunden habe, den ersten Schritt zu tun. Klar, ich hatte auch Angst vor dem, was kommen wird.

Hast du direkt offen über das Thema sprechen können oder musstest du zu Beginn viel mit dir selbst ausmachen?

Ich habe anfangs gar nicht darüber gesprochen. Ich wollte nicht einmal darüber nachdenken und es so real werden lassen. Als es dann wirklich losging, haben mein Freund und ich auch die ersten Behandlungen für uns behalten. Es wussten vielleicht eine Handvoll an Personen, die uns sehr nahe stehen. Im Nachgang bereue ich dies etwas, denn darüber zu reden tut eigentlich sehr gut! Ich musste aber in der Zeit einfach alles in meinem Tempo machen und mich erst selbst mit dem Thema Kinderwunsch auseinandersetzen, bevor ich offen darüber sprechen konnte.

Welche Fragen/Aussagen empfindest du als Frau mit unerfülltem Kinderwunsch verletzend, auch wenn sie “nicht böse gemeint” sind?

"Entspann dich einfach und dann klappt das schon" oder "Wann wollt ihr denn mal Kinder bekommen?" oder "Ach fahrt doch mal in den Urlaub" oder "du bist doch noch jung". Der Kinderwunsch sollte nie ein Smalltalk-Thema sein. Man weiß schließlich nie, was hinter der Fassade passiert. Was für die einen scheinbar funktioniert, klappt bei den anderen einfach nicht. Da gibt es nicht immer eine einfache Lösung. Der Kinderwunsch ist ein ganz sensibles Thema und ich wünsche mir, dass es auch als solches behandelt wird.

Was möchtest du Menschen besonders auf Social Media nahebringen, wenn es um das Thema Kommunikation & Kinderwunsch geht?

Das man generell bei dem Thema vielleicht etwas vorsichtiger sein sollte. Damit meine ich die Leute, die immer sehr neugierig und ohne Halt nachfragen. Oft werden Fragen (vielleicht auch unbewusst) angreifend gestellt und können schon sehr verletzend sein. Das Wichtigste für mich ist einfach, dass die Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch wissen, dass sie nicht alleine sind und wir dadurch keine anderen Menschen sind. Nur weil es bei uns nicht so schnell klappt, sind wir genauso toll, wie alle anderen auch. Auch tut es eben wirklich gut, mehr darüber zu sprechen. Nicht jeder muss so offen wie ich mit dem Thema auf Instagram umgehen, aber mit dem engen Umfeld würde ich offen sprechen. Und vor allem möchte ich klar machen: Nicht jedes “Wundermittel” funktioniert für jeden beim Versuch schwanger zu werden: Einige machen einen Handstand nach dem Sex und werden schwanger, andere nehmen Kurkuma. Es ist unterschiedlich und man kann es nun mal nicht verallgemeinern!

Wieso ist es in deinen Augen wichtig, offen über das Thema Kinderwunsch zu sprechen?

So wenig ich möchte, dass Frauen oder Paare ungefragt auf das Thema Kinderwunsch angesprochen werden, umso wichtiger finde ich es, dass das Thema aus der Tabuzone rückt. Wer sich damit wohlfühlt, soll informieren und darüber sprechen. Für alle Betroffenen und für alle, die vielleicht zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung kommen und so lernen, sensibel damit umzugehen. So hat das Umfeld eine bessere Chance Verständnis aufzubauen, was ohne jegliches Hintergrundwissen schwer sein kann.

Was würdest du Menschen gerne mit auf den Weg geben, die eine Frau/ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch im Freundes- oder Familienkreis haben?

Keine "nett gemeinten” Tipps geben. Einfach zuhören und für sie da sein. Vielleicht auch einfach mal Fragen, ob sie Lust auf Ablenkung haben und das Gefühl zu geben, immer da zu sein. Es braucht nicht viel, manchmal hilft es schon, wenn man weiß, dass da jemand ist, der einen auffängt und versteht.

Was möchtest du Frauen und Paaren gerne vermitteln, die am Anfang ihrer Kinderwunschreise stehen?

Wir sind alle nicht alleine und ich denke, dass ist total wichtig zu wissen. Ich fühle mich so weniger alleine, obwohl es natürlich schöner wäre, wenn nicht so viele Paare diesen schmerzhaften Weg gehen müssten. Ich finde es ist Gold wert, so positiv zu bleiben, wie es nur geht. Es bringt einem nämlich nichts den Weg mit negativen Gedanken zu gehen, die machen es nicht besser. Das ist natürlich viel leichter gesagt, als getan und funktioniert leider nicht jeden Tag. Aber es sind die Tage, an denen wir ganz ehrlich lachen können, uns über die Kleinigkeiten freuen und unsere Liebsten um uns haben, die uns die Kraft geben, immer weiter zu machen. Wir haben schließlich das schönste Ziel der Welt. Und dafür lohnt sich der schwerste Weg.

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Es gibt kein Wunderheilmittel, das für uns alle funktioniert. Nicht jede Therapie schlägt bei allen gleich an. Manche Wege sind länger und steiniger als andere. Egal wie schwer deine Reise ist, du bist nicht allein. Nicht in deinen Schmerzen, Hoffnungen und Fragen. Wir sind viele und wir dürfen uns eingestehen Hilfe zu brauchen uns sie auch anzunehmen. Ich habe einen Kinderwunschplaner geschaffen, der Frauen und Paare auf der Reise zum Wunschkind unterstützen soll. Ihnen die Last der Organisation ein wenig abnehmen soll und dabei helfen soll, mit dem Erlebten umzugehen. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Kinderwunsch-Kollektion Trost spenden und Kraft schenken kann.

Eure Anna

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